An(ge)dacht

Gerd Mehlin, Pastor Gruß Schwülper

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit…“ So dichtet Paul Gerhardt im Sommerlied (Gesangbuch Nummer 503). Mit diesem Lied bringt er auf den Punkt, was uns gerade im Sommer bewegt und erfreut.

Wir freuen uns am satten Grün, hören den Vögeln beim Singen zu, genießen die Sonne und den Regen und sind gerne draußen. Das Herz öffnet sich und nimmt wahr, was es an Schönem in der Natur gibt. Wir atmen auf und sind auch „sonniger“ gestimmt.

Es ist erstaunlich, dass Paul Gerhardt hier so froh dichten kann. Voll Freude über die Natur. Bäume und Blumen, Tiere und Weizen gewinnen Gestalt in seinen Worten. Und er erkennt in allem Gottes Tun und Dasein.

Im Grunde hätte er ein Klagelied schreiben müssen, fünf Jahre nach Ende des dreißigjährigen Krieges.

Die Spuren des Krieges blieben noch lange sichtbar und im Herzen spürbar. Denn er hatte schlimme Erfahrungen machen müssen. Leid, Gewalt und Krieg, Sterben und Tod im dreißigjährigen Krieg. Unsicherheit und Zweifel über lange Jahre hinweg.

Doch das Lied spricht eben nicht von Zweifel oder erhebt Anklage, sondern im Gegenteil: Das Lob Gottes steht im Vordergrund, tiefes Vertrauen in Gottes Nähe ist zu spüren.

Für Paul Gerhardt ist das Vertrauen in Gott das Wichtigste, es ist das Fundament, der Halt in und bei allen Erfahrungen. Seien sie schmerzhaft oder beglückend.

Am Ende dichtet er: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben…“

In diesem Sinne:

Erholsame und vertrauensvolle Tage,

Ihr Gerd Mehlin